Ave,

nach einen Apenninunwetter und um noch einige Besorgungen zu machen bin ich nach Genua hinein gefahren. Ich habe den Tag genutzt und mir die Stadt angesehen und nebenher einige Erledigungen zu machen. Genua ist sehr schön. Viele kleine, tlw. schmuddelige Straßen prägen das Bild der Altstadt. Ein Tag ist leider viel zu wenig um diese Stadt ausreichend zu erforschen aber es reichte um meine Neugier zu wecken.

Ab Morgen geht es weiter in den Apennin. Dieser Abschnitt gefällt mir sehr gut bisher und ich hoffe auf ein wenig Wetterbesserung. Wann das nächste Update kommt kann ich noch nicht sagen aber vielleicht werde ich einen Abstecher nach Florenz machen.

LG Hike Faster

22.3.2011      Bellindrono – Tornavento

Heute morgen habe ich noch schnell ein Paket mit der nicht mehr benötigten Ausrüstung gepackt und nach Hamburg zurück geschickt bzw. machen das Theo und Elisa für mich. Der Brief auf den ich noch warte war immer noch nicht angekommen und nun hoffe ich, dass er heute ankommt und Theo ihn dann an die nächste Adresse senden kann. Ich laufe doch tatsächlich schneller als die Post einen Brief zustellen kann.

Heute machte ich mich gegen 8h auf den Weg und war schon gespannt ob heute das böse erwachen kommt und die Markierung nicht mehr vorhanden ist. Dem war nicht so und auch heute war es ein sehr schön markierter und zu gehender Weg. Das super Wetter tat dem auch gut und meist verlief der Weg über Feldwege und durch Wald. Nachdem der Ticino erreicht war immer entlang des Flusses bzw des dazugehörenden Kanals. Ab Osmote hätte man den Weg auch von Süd nach Nord gehen können denn ab dort ist er auch in diese Richtung ausgeschildert. Wielange das anhält wird sich zeigen. Informationstafeln mit dem Wegverlauf waren in regelmäßigen Abständen zu finden und der Weg verlief nur selten und wenn kurz über Straßen.

Für mich stellte die Versorgung mit Trinkwasser das größte Hindernis heute dar. Allgemein war es mal wieder schön relativ flach zu laufen. Ich denke auch die nächsten 4 Tage werden noch so sein. Am Ticino angekommen kamen mir immer wieder Radfahrer entgegen. Die Italiener sind schon sehr Rennrad begeistert. Mein Nachtlager habe ich an einem Parkinformationszentrum aufgeschlagen, hier gibt es frisches Wasser und ich kann auch morgen meine Flaschen auffüllen.

23.3.2011      Tornavento – Boffalora Sopra Ticino

Ein von der Strecke kurzer aber vom Gefühl her sehr langer Tag neigt sich dem Ende. Die Strecke waren vielleicht 17km aber diese bin ich zumeist erst nach 16h gelaufen. Am Morgen merkte ich ein leichtes Ziehen im unteren Bereich des Rückens. Ich tippte darauf mich verlegen zu haben aber schon nach den ersten paar Metern strahlte der Schmerz in den gesamten Beckenbereich aus. Ich setzte den Rucksack ab und versuchte eine schmerzfreie Position auf dem Boden zu finden. Dies war nicht möglich und mir wurde sehr schlecht. Erst da konnte ich den Schmerz  der Niere zuordnen. Nachdem ich mich übergeben hatte wurde es ein wenig besser. Dieses Druckgefühl im Unterleib blieb.

Ich ging Abschnittsweise weiter und kam nach Turbigo. Hier musste ich Proviant nachkaufen und schon kurz vorher waren die Schmerzen fast weg. Die italienische Mittagspause in den Läden hat mich zusätzlich ausgebremst, da ich um 12.40h pünktlich 10 Minuten nach der Schließung des Ladens ankam. Aufgrund meiner körperlichen Verfassung war dies auch nicht so schlecht und ich ruhte mich einfach mal 3Std. aus. In der Zeit konnte ich dann endlich auch wieder normal auf Klo gehen.

Ich kaufte das nötigste ein und machte mich mit viel Energie auf die Strecke. Die Wanderung dehnte ich bis zur absoluten Dunkelheit aus und hoffe diese Schmerzen und dieses akute Leiden kommen nicht wieder. So etwas ist mir noch nie wiederfahren und ich hoffe das passiert auch nicht wieder.

24.3.2011      Boffalora Sopra Ticino – Cascina Venara

Am Morgen stellte ich erleichtert fest, dass ich keine Schmerzen in der Nierengegend hatte. Das Wetter war wieder sehr gut und ich startete bereits um kurz vor 7h. Der Weg folgte weiterhin dem Ticino und war sehr leicht zu laufen und zu finden. An einigen Stellen verwunderte mich dann aber doch die Wegführung, da der E1 tlw. Große Bögen beschrieb.

Ich lief und lief und hatte das Gefühl heute Bäume ausreißen zu können. Die Pausen hielt ich kurz und viel gab es auch nicht zu sehen. Die Etappe war sehr lang, nett zu laufen aber auch nicht besonders spektakulär. Erst kurz vorm Ende kam ein kleines Highlight. Über den Ticino führte eine Brücke die auf Schiffen gelagert war. Mit ansteigenden Wasserstand bzw. fallendem stieg auch die Brücke mit an. Wenn ein Auto darüber fuhr wackelte alles ein wenig aber die Konstruktion fand ich schon sehr nett. Die Brücke trug den Namen „Ponte di barche“, die „Brücke der Schiffe“.

Am Abend fiel ich nach knappen 48km ziemlich kaputt in meinen Schlafsack. Ich kochte mir noch meine Nudeln um die Kohlenhydratspeicher wieder zu füllen und schlief dann schnell ein.

25.3.2011      Cascina Venara – Pavia – Voghera

Genau an der Stelle wo ich mein Nachtlager aufgeschlagen hatte war eine Verzweigung des E1. Zumindest stand dies in meinen Buch drin. Man konnte dem Ticino weiter nach Pavia folgen oder aber nach Süden abknicken und dem eigentlichen E1 weiter laufen. In der Praxis zeigte sich keine Verzweigung und nur die Route nach Pavia war an dieser Stelle beschildert.

Ich entschied mich spontan für die Wanderung über Pavia und bis zur Stadt waren es auch nur 12km. Um 7h war ich bereits auf dem Weg und konnte die Ponte Coperto schon gegen 9.30h sehen.  Bei dieser Brücke handelt es sich um eine rekonstruierte Brücke die bereits im 14. Jahrhundert an dieser Stelle den Ticino überspann. Das bekannteste Bauwerk in Pavia ist die Basilika San Michele Maggiori. In ihr wurde im Jahre 774 Karl der Große zum König der Langobarden gekrönt. Leider war die Basilika wegen Bauarbeiten nicht zugänglich.

Von Pavia stand mir noch ein weiter Weg bevor und ich machte mich nach einer knappen Stunde auf den Weg Richtung Tortona. Die Markierung des E1 endet in Pavia und von dort gab es nur die Alternative auf Straßen zu laufen. Vielleicht hätte ich doch die eigentliche Strecke wählen sollen aber dafür war es zu spät. Ich folgte anfangs kleineren Straßen und dann der SS35 bis nach Bottarone. Ab dort wieder auf kleineren Straßen bis nach Voghera.

Wieder waren es mehr als 40km und zum Glück hatte mir Vittorio (mein Couchsurfhost) angeboten mich aufzupicken. So kam er mit dem Auto und holte mich ab. Wir fuhren noch einkaufen und ich klärte ab, dass er mich am nächsten morgen wieder nach Voghera bringen wird. Mein Brief auf den ich solange gewartet hatte war dann auch genau heute angekommen und ich konnte die Benötigten Dokumente unterschreiben. Ich hoffe auf dem Rückweg geht nichts verloren. Vittorio zeigte mir auch noch eine schöne Strecke am Scrivia entlang.

Beim Einkaufen heute war das Highlight die sehr große Auswahl an Pastasorten. Erst kam das Regal mit den abgepackten Nudeln und dann noch einmal ein ähnlich großes Regal mit frischen Nudeln. Ich dachte ich würde so ziemlich alle Sorten kennen aber da lag ich weit daneben. Leider hatte ich meinen Fotoapparat nicht dabei.

26.3.2011      Voghera – Sottevalle

Vittorio musste am Morgen noch arbeiten und dies passte mir gut in den Plan. Der letzte Tag im flachen sollte nochmal lang werden und wieder kam ich gegen 7h los. Das erste Stück bis nach Tortona verlief noch über Straßen und dann kam ich an den Scrivia. Von dort an sollte die Strecke richtig schön werden. Auf jeden Fall werde ich irgendwann nochmal die eigentliche Strecke wandern um zu wissen ob man nicht auch an dieser Stelle eine schöne Strecke finden kann. Bis auf den Teil vom Ticino bis zum Scrivia war es eine sehr schöne Strecke.

Nachdem der Scrivia erreicht war folgte ich der beschriebenen Route von Vittorio. Es handelt sich um eine strecke die auch die Mountainbiker benutzen und die ausgeschildert ist. Der Fluss gleitet vor sich hin und langsam geht es wieder höher. Bis Arquata Scrivia genoss ich den flachen Abschnitt noch. Kurz vor Arquata Scrivia stieß ich wieder auf das E1 Symbol und folgte ihm. An vielen Stellen ist der weg aber schon überwuchert und schwer zu erkennen. So gelang ich zur archäologischen Stätte Liberna. Hierbei handelt es sich um eine alte römische Siedlung die bereits im Jahre 89 v. Chr. An dieser Stelle existierte. Die genaue Jahreszahl der Gründung ist nicht bekannt. Man kann auf den Fotos gut die Umrisse der Häuser und des Amphitheaters erkennen und einen Eindruck gewinnen wie eng und groß es damals gewesen sein muss.

Von Arquata Scrivia an war der Weg dann wieder sehr gut ausgewiesen und es ging sogleich bergauf. Irgendwie hatte ich noch die Energie und den Willen ein wenig in die Ausläufer des Apennins hinein zu laufen. Auf dem Weg traf ich ein italienisches Ehepaar und war erstaunt wie gut die Frau englisch sprechen konnte. Im Gespräch ergab sich dann, dass sie Englischlehrerin ist. Sie gaben mir noch Tipps für den Ligurischen Höhenweg und dann war ich alleine  auf der Strecke. Ich freue mich schon auf den Apennin wenn ich auch denke, dass er sehr anstrengend werden wird. Es ist ein ständiges auf und ab und die höchsten Punkte meines Weges liegen nur knapp unter 2000m.

Kurz vorm Ende der Etappe kam ich noch an einen alten schon tlw. Verfallenen Hof vorbei. Mein Nachtlager schlug ich dann aber doch noch ein wenig später auf.

27. – 28.3.2011        Sottevalle – Crocetta d´Orero

Die erste richtige Apenninetappe. Schon am Morgen tröpfelte es leicht und ich hoffte zumindest die Sicht würde sich halten. Leider tat sie dies nicht und ich musste Pausen einlegen und warten, dass sich der Nebel bzw. die tiefhängenden Wolken verzogen. Mein Ziel für heute war es den Ligurischen Höhenweg zu erreichen und dies gelang mir auch.

Vorher waren zwei ausgesetzte  Gipfel zu überwinden und gerade immer dann kam die schlechte Sicht hinzu. Gerade auf dem Gipfel des Monte Alpe war dies schade. Auf dem Gipfel erhebt sich eine kleine Kapelle und man hätte eine wunderbare Sicht auf die Umgebung haben können. Kurz vor dem Zusammenschluss des E1 und des Ligurischen Höhenweges oder besser gesagt der Alta Via war die Markierung etwas schlechter und der Regen nahm zu.

Die Freude war dann aber umso größer bei mir endlich die Alta Via erreicht zu haben. Ich ging weiter und erreichte nach kurzer Zeit den Passo dei Giovi. Da ich mich an den Regen gewöhnt hatte ging ich weiter und hoffte auf eine gute Schlafgelegenheit. Leider sollte mir dies Glück heute nicht vergönnt sein und ich schlug mein Zelt am letzten Hof und der Bergkapelle von Orero auf.

Am nächsten  Tag war der Regen noch immer da und noch viel heftiger als gestern. Ich wagte einen blick hinaus und ging ein paar Meter die Alta Via weiter. Der Weg war sehr matschig und die Regenwolken hingen wieder sehr tief. Ich entschied mich daher abzuwarten wie sich das Wetter entwickeln sollte. Als es bis 14h immer noch nicht aufgehört hatte zu regnen blieb ich doch lieber in meinen Zelt liegen. Erst am Abend klarte es auf und ich freute mich auf einen schönen nächsten Tag. So dachte ich zumindest.

29.3.2011      Crocetta d´Orero – Passo della Scoffera

Am Morgen begrüßte mich die Sonne und ich ging völlig motiviert  los. Das Packen dauerte heute alles ein wenig länger und ich startete gegen 9h. Mir gefällt die Alta Via immer mehr und der Weg zieht sich meist an Hängen entlang oder direkt auf einen Kamm. Die Aussicht auf die unter einen liegenden tlw. verlassenen Bergdörfern ist atemberaubend und der Weg ist mitunter sehr anspruchsvoll zu laufen.

Mein Plan war es bis Scoffera zu wandern, dort Proviant zu kaufen und dann weiter zu gehen. Nach zwei Tagen Dauerregen hoffte ich auf Wetterbesserung. Diese Hoffnung zerschlug sich dann allerdings schnell. Ich hatte bereits gelesen, dass das Wetter an der Küste sehr gut sein kann, während in den Bergen der Regen hängt. Dieses Phänomen konnte ich mit eigenen Augen und auch mit meinen Körper erleben. Als ich knapp die 1000m erklommen hatte und mir sich der nächste Ausblick bot, war dieser sehr dunkel. Eine Schlechtwetterfront zog auf mich zu und das grollen des Donners war schon sehr gut hörbar. Ich erhöhte mein Tempo um den Abstieg nach Scoffera noch vor dem Regen zu bewältigen. Ich wusste, dass es dort steil hinab gehen würde.

Wenn das Pech einmal da ist, kommt es immer noch dicker. Der Regen um es genauer zu sagen der Hagel holte mich just ein als es an den Abstieg ging. Bei dem Wetter ein Ding der Unmöglichkeit und so hockte ich mich hin und wartete den Hagelschauer ab. Nachdem der Hagel in starken Regen übergegangen war startete ich den Abstieg. Der ganze Weg war sehr matschig und ich musste mich stark konzentrieren nicht auszugleiten. Wenn neben einem es knappe 150m steil hinab geht sollte man dies auch besser tun. Ich erreichte völlig durchnässt Scoffera und entschied mich spontan einen Abstecher nach Genua zu machen. Dafür sprach außer meiner Stimmung auch mein Geldbeutel den ich noch auffüllen wollte für die nächsten Apenninetappen.

In Genua erfuhr ich in der Touristeninformation, dass das Hostel ein ziemliches Stück außerhalb liegt und ich musste den Bus nehmen, dieser baute dann noch einen Unfall und ich durfte den Berg doch noch erklimmen. Natürlich liegt das Hostel auch genau auf der obersten Terrasse über Genua. Trotzdem war ich sehr glücklich da zu sein und werde mir morgen Genua ansehen, Einkäufe erledigen und mir einen Frisör gönnen.

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