Hallo,

ich bin in Caserta angekommen. Dies liegt in etwa auf der Höhe Neapel. Seit meinen letzten Eintrag ist einiges passiert.  Meinen Geburtstag habe ich nun doch nicht wandernd verbracht sondern bin nach Rom reingefahren und habe mir die Stadt angeschaut. Vor alles habe ich ein paar Stunden mal nur gefaulenzt. Es war zwar schwer zur Osterzeit eine preiswerte Unterkunft in Rom zu finden, zumal das große Hostel im März geschlossen hat. Letztendlich wurde es dann eine nicht ganz so günstige Unterkunft. An dieser Stelle mal ein großen Dankeschön für die die vielen Geburtstagsgrüße.

Auf der Straße zu laufen hat den ungemeinen Vorteil, dass man sehr viel Strecke machen kann. Das Wetter trägt allerdings dazu bei. Seit meinem Geburtstag ist es durchweg regnerisch. Man findet kaum Plätze wo man mal verweilen kann bzw. möchte. So laufe ich meist von um 7h bis um 18h-19h. Wenn ich der Karte trauen kann und den Kilometerangaben, so bin ich seit dem 27.4. jeden Tag mindestens einen Marathon  gewandert. Bis jetzt klappt das ganz gut und ich versuche mal 10 Tage lang jeden Tag mehr als 42km zu laufen.

Streckentechnisch sind es jetzt noch knapp weniger als 1000km und ich sollte es schaffen vor dem 24.52011 in Palermo zu sein. Am 24.5.2010 bin ich am Nordkap gestartet und ich würde die Wanderung dann in weniger als einen Jahr abgeschlossen haben. Wenn man die Weihnachtspause von 2,5 Monaten abzieht und die anderen Ruhetage, so bleibt eine Nettozeit von knapp 9 Monaten. Da ich aber noch nicht da bin ist es müßig sich darüber jetzt schon Gedanken zu machen.

Vom Wegverlauf her werde ich in Salerno auf das Meer treffen und mich dann an der Küste bis zur Stiefelspitze nach Villa San Giovanni vorarbeiten bevor es nach Sizilien geht. Mit dem „Umweg“ über den Ätna sind es von dort noch knappe 350km. Als letztes Highlight steht dann noch der Besuch der Stadt Corleone kurz vor Palermo auf dem Plan. Die Mafiahauptstadt Siziliens werden viele aus dem Film „Der Pate“ kennen. Die sizilianische Mafia ist zurzeit allerdings ziemlich zerschlagen nachdem man im Jahre 2006 den letzten großen  Mafiaboss in der Nähe Corleones festnahm. Die meisten Probleme mit der Mafia hat man zurzeit in der Gegend um Neapel herum. Die Camorra (z.dt. Gomorrha) ist weiterhin sehr stark und profitiert von der hohen Arbeitslosigkeit unter der Jungbevölkerung.

Als letztes noch eine lustige Geschichte vom Wegesrand. Als ich kurz vor der Stadt Sorna war und nach einem geeigneten Schlafplatz Ausschau gehalten habe kam mir ein Wagen entgegen. Er hielt ungefähr 50m vor mir an und der Mann telefonierte. Ich dachte mir da nichts weiter bei und ging weiter. Kurze Zeit später überholte mich der Wagen erneut. Für alle Fälle merkte ich mir das Nummernschild um eventuelle weitere Treffen besser zu bemerken. Just in diesem Moment fiel mir ein altes Gebäude auf welches alleine in der Gegend stand. Ein perfekter Schlafplatz. Ich richtete mich ein und zog mich um. Eine halbe Stunde später, ich lag bereits im Schlafsack, hörte ich Stimmen die um das Haus herum irrten. Ich stand auf und erkundete die Lage.  Als erstes fiel mir der besagte Wagen auf und auch der Fahrer stand nicht weit entfernt. Langsam wurde ich unruhig und malte mir schon die obskursten Geschichten aus. Es ging von der Mafia über ein paar Schwule die mich vergewaltigen wollen bis hin zu einen normalen Überfall.

Ich bewaffnete mich schnell mit Wanderstab und meinen Moramesser und platzierte mich im Haus in einer günstigen Lage. Ich lugte um die Ecke und schaute aus dem Fenster an der Tür. Dort kamen dann zwei Carrabinieries vorbei und ich steckte schnell mein Messer wieder weg und gab mich zu erkennen. Es waren zwei Polizisten und drei andere Personen, unter anderem der Fahrer. Keiner von denen sprach englisch und ich verstand nur, dass ich meine Sachen packen soll und mitkommen muss. Schöner Mist dachte ich, nun bekommste einen auf den Deckel wegen Landstreicherei. Zumindest lag die Polizeistation in Richtung meiner Wanderung und auf der Wache klärte sich dann alles schnell auf. Der Junge Mann im Auto meinte in mir einen seit drei Jahren vermissten Briten zu erkennen und informierte die Polizei. Als ich nachdem er mich überholt gehabt hatte nicht wieder auftauchte suchten sie in dem Gebäude nach mir. Nach einer Identifikation und etwa 15 Minuten war der Spuk vorbei und ich durfte gehen.  Wo ich schlafen würde interessierte die Polizisten nicht und auch so waren sie sehr nett. Die nächsten zwei Tage wurde ich noch insgesamt dreimal wegen der Sache angehalten, konnte das Missverständnis aber vor Ort klären. Dadurch habe ich nach dem Gotthard weitere 10km nicht wandern können. Da kein Bus dorthin fuhr bin ich ab der Polizeistation weiter gelaufen.

Da ich hier wieder an einen öffentlichen PC sitze keine Bilder.

Bis bald euer Hike Faster

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