Der utopische Gedanke

Der erste Gedanke an ein Unternehmen ist oft ein Traumgedanke. Bei mir war dies nicht anders. Als ich mit knapp 16 Jahren erstmals von einem Weg durch Europa hörte, war ich sofort Feuer und Flamme. Ich träumte vor mich hin wie es sein würde diesen Weg zu wandern.

Eine Utopie zeichnet sich dadurch aus, dass ihre Umsetzung zum Zeitpunkt des „erdenkens“ nicht durchführbar ist. Die Gründe hierfür sind vielfältiger Natur. Wichtig für meine weiteren Planungen sind in diesem Stadium allerdings gerade die utopischen Gedanken.

In meinem Fall sahen diese Gedanken ungefähr so aus:

Vom Nordkap nach Sizilien wandern, ohne große Unterbrechung, immer im Zelt schlafen, Essen unterwegs suchen bzw. fangen, keine Straßen und vorhandenen Wege benutzen, alles dokumentieren, sofort losgehen, alles aufgeben, keine Fähren benutzen.

Vielleicht waren es noch mehr Gedanken, ich weiß dies wirklich nicht mehr genau. In diesem Stadium kommen Gedanken und Ideen schnell und in einer Art Brainstorming werden diese dann festgehalten. Beim Niederschreiben sollten keine Einschränkungen gemacht werden, egal wie abwegig diese Gedanken auch sind.

Wenn man sich in diesem Stadium nur an mögliche Gedanken hält, wird das unmögliche nie möglich werden.

Eine Utopie ist wie gesagt zum Zeitpunkt ihrer Erdenkung (gibt es dieses Wort?) nicht realisierbar. Die Gründe dafür sind vielfältig. Es kann an einem individuell liegen, die Gesellschaft lässt diese Gedanken nicht zu oder die Ressourcen sind nicht vorhanden um nur einige zu nennen. Die Utopie kann im Laufe der Zeit auch zu einer konkreten Utopie werden, wenn sich die störenden Punkte wandeln.

Der Begriff der konkreten Utopie ist auf den Philosophen Ernst Bloch zurückzuführen. Sein Buch „Geist der Utopie“ ist nicht einfach zu lesen und bezieht sich mehr auf gesellschaftlich relevante Utopien. Der Gedanke, an seine Tagträume zu glauben und die Hoffnung die daraus resultieren kann sind aber in vielen Bereichen gültig.

In meinem Fall gab es mehrere kleine begrenzende Faktoren zur damaligen Zeit. Der eine war mein Alter mit knapp 16 und meine Unwissenheit. Es war damals ein Tagtraum und ich glaubte nicht an eine Umsetzung. Der Gedanke blieb aber und kam im Laufe der Jahre immer wieder hoch. Weiterhin hatte ich keine Ausrüstung und ging noch zur Schule. Da ich auch nicht Tom Sawyer spielen wollte, war es zur damaligen Zeit mein utopischer Gedanke.

Wie es die Natur so will wurde ich älter, interessierter und planender. Sport und Wandern waren mir immer sehr wichtig und so erkannte ich bald, dass meine Träumereien von damals in den Bereich der Realisierbarkeit kamen. An einem Punkt, an dem ich körperlich dazu bereit war und vom Wissen und der Ausrüstung her es hätte machen können, kamen mir die Gesellschaftlichen Zwänge in den Weg. Eher noch die Gedanken die ich mir selber machte und in mich aufnahm.

Dieser Punkt wandelte sich schnell und die konkrete Utopie war vorhanden.

Die konkrete Utopie

Ich habe ja schon gestern vom Begriff der konkreten Utopie berichtet. Nachdem ich jahrelang immer mal wieder an die Idee dachte vom Nordkap nach Sizilien zu wandern kam ich an einen Punkt wo mir bewusst wurde, dass ich mittlerweile die Vorraussetzungen für eine solche Tour hätte.

Im Laufe der Jahre hatte ich mir das nötige Fachwissen angeeignet und auch körperlich war ich besser trainiert. Das einzige was mir in der Quere stand, waren meine eigenen Gedanken und Ängste. Ich wollte den Gedanken die Strecke zu wandern allerdings nicht aufgeben und ließ mich auf einen Kompromiss ein. Ich sagte mir, ich werde immer mal wieder einen Teil der Strecke laufen und so irgendwann den gesamten Weg gelaufen sein.

Dies klappte auch, aber wer mal einen Fernwanderweg am Stück gelaufen ist weiß welch anderes Gefühl es ist, als wenn man ihn mit Unterbrechungen läuft. So war es auch bei mir und ich fühlte jedesmal einen bitteren Beigeschmack wenn ich Abschnitte des E1 gelaufen bin. Unter dem Menupunkt Die Tour-Die Idee habe ich ja schon beschrieben wie ich auf den Gedanken kam und auch die Begegnung mit dem alten Ehepaar habe ich dort beschrieben.

Diese Begegnung war der letzte Stein, der meinen utopischen Gedanken in eine konkrete Utopie abwandelte.

Wann dieser Schritt geschieht ist immer unterschiedlich und manchmal geschieht er leider auch garnicht. Sobald es aber geschehen ist, beginnt die konkrete Planungsphase.

Als erstes überprüfte ich meine utopischen Gedanken und merkte gleich, dass bestimmt nicht alle umsetzbar sind bzw sich einige auch widersprechen. Es gilt aber ein Maximum zu erreichen und die Mehrzahl an Ideen umzusetzen.

Warum habe ich nun soviel nur über diesen einen Punkt berichtet? es handelt sich nur um einen kleinen Schritt in uns aber dieser Schritt ist entscheidend um die Energie und Kraft zu haben ein solches Unternehmen zu planen. Außerdem wird man diesen Tag und diese Situation nie vergessen.

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