Versorgung der grundlegenden Bedürfnisse

Klar kann man es sich bei diesem Punkt einfach machen und nur schauen welche Bedürfnisse man befriedigen muss. Man könnte es auf Wasser bzw. Trinken und Essen reduzieren. Dies würde für die Planung durchaus ausreichen aber es ist ein wenig umfangreicher.

Unten stelle ich nun ein Modell vor, an dem ich mich orientiere und zwar bevor ich in konkrete Planungen übergehe. Anhand dieses Modells mache ich mir Notizen und arbeite diese Punkt für Punkt ab.

Bedürfnisse die in einem aufkommen sind, wenn man sie nicht befriedigt, demotivierend und können eine längere Tour schwer machen und im Extremfall zum Abbruch der Tour führen. Ich bin fest der Meinung, dass ein Großteil derer, die den Appalachian Trail wandern wollen und dies nicht schaffen an ihrer Psyche scheitern und nicht am körperlichen.

Unser Körper kann so extrem viel schaffen und leisten, die Barriere die ihn bindet ist unser Kopf.

Die Bedürfnispyramide von Abraham Maslow

Abraham Maslow war ein amerikanischer Psychologe der als einer der Gründungsväter der Humanistischen Psychologie gilt. In seinen Forschungen untersuchte er die seelische Gesundheit und menschliche Selbstverwirklichung.

Im Jahre 1943 veröffentlichte er erstmals seine Bedürfnispyramide, die er im Jahre 1970 nochmals erweiterte. In ihr legt er 5 Stufen zu Grunde an denen sich die Bedürfnisse des Menschen orientieren. Grundgedanke ist, dass die nächsthöhere Stufe erst dann erreicht werden kann, wenn die davor befriedigt ist.

In einigen Situationen kann man für kurze Zeit auch gewisse Stufen überspringen. So kennt es bestimmt jeder aus seiner Schul- bzw. Studienzeit, dass man eine „Nachtschicht“ einlegt um ein Buch zu Ende zu lesen oder eine Hausarbeit fertig zu schreiben, die für den folgenden Tag wichtig sind.

In dem Film „Cast Away“ mit Tom Hanks orientiert sich dieser an der maslow´schen Pyramide um seine Bedürfnisse zu befriedigen.

Die Stufen der Pyramide

Stufe 1 Körperliche Existenzbedürfnisse:

Atmung, Schlaf, Nahrung, Wärme, Gesundheit, Wohnraum, Sexualität, Bewegung

Stufe 2 Sicherheit:

Schutz vor Gefahren, Einkommen, Recht und Ordnung, Absicherung

Stufe 3 Soziale Bedürfnisse:

Freunde, Familie, Partnerschaft, Liebe, Kommunikation

Stufe 4 Individual Bedürfnisse:

Status, Erfolg, Wohlstand, Einfluss, Geld

Stufe 5 Selbstverwirklichung:

Talententfaltung, Perfektion, Selbstverbesserung

Die ersten drei Stufen gelten als Defizitbedürfnisse . Sie müssen befriedigt sein um zufrieden zu sein. Wenn sie aber befriedigt sind, besteht keine Motivation sie noch weiter zu befriedigen. Die letzte Stufe gehört zur Kategorie der unstillbaren Bedürfnisse und kann nie ganz befriedigt werden.

Es gibt allerdings auch viel Kritik an der Pyramide. Sie ist an westlichen Werten und Lebensbedingungen orientiert. So ist es in anderen Ländern durchaus anders und die Gemeinschaft wird zum ersten Punkt um überhaupt die Versorgungsbedürfnisse zu garantieren.

Man sollte daher immer unterscheiden zwischen dem Bedürfnis einerseits und dem Verhalten andererseits. Auch in unserer Kultur sind die Rahmenbedingungen durchaus dafür verantwortlich sich anders zu verhalten als es das eigene Bedürfnis gerne möchte.

Die Anwendung bei der Planung

Für ein so großes Projekt wie ich es durchführen möchte, ist es wichtig die ersten 4 Stufen erreicht zu haben. Erst dann kann man die Planung in Angriff nehmen. Meist ist dieser Übergang von Stufe 4 auf 5 auch der Übergang, wenn der utopische Gedanke zur konkreten Utopie wird.

Nun muss man wieder vorne beginnen  und sich fragen, wie man die einzelnen Stufen auf der Tour befriedigen wird.

Die Grundlegenden Bedürfnisse sind individuell verschieden. Jeder wird wissen was er benötigt und wovon er eher wenig braucht. Luft bzw Atmung spielt auf Hochgebirgstouren durchaus eine Rolle und wird nicht erst in der „Todeszone“ wichtig. Höhenkrankheiten können durchaus schon ab 2700m auftreten. Bei Tauchexkursionen spielt wiederum Luftdruck und Dekompressionszeiten eine wichtige Rolle.

Trinken wiederum ist bei allen Planungen relevant. Hunger und Durst lassen die Motivation schnell in den Keller fallen. Für meine Tour wird es in einigen Gebieten Italiens schwer werden eine durchgehende Wasserversorgung zu gewährleisten. Nahrung ist überall geplant bzw kann erworben werden.

Schlaf und Wärme möchte ich in einem Punkt behandeln. Wer friert schläft nicht bzw schlecht. Dieser Punkt wird bei mir eine entscheidende Rolle spielen. Es gibt wie gesagt einige kleinere Tricks wie man eine gute Nacht verbringen kann. Auch wenn der Wunsch schnell in den Schlafsack zu kommen groß ist, sollte man dieses Bedürfnis ein wenig verschieben. Es wäre zwar anfangs schnell warm, aber man würde auch schnell auskühlen. Daher erst etwas essen, nicht zu weit vor dem schlafen, dann Bewegung aber nicht schwitzen und dann ab in den Schlafsack. Schlaf an sich sollte ich auf der Tour genügend bekommen.

Wohnraum ist meist das Zelt aber auch mal eine Pension bzw Hütte. Bewegung werde ich auf der Tour genügend haben und wie jeder einzelne mit seiner Sexualität umgeht und wie stark sein Bedürfnis dahingehend ist wird jeder selbst wissen.

Die Stufe 2 der Pyramide geht noch weiter ins Detail. Für Sicherheit ist man abhängig von den Ländern die man bereist, wie ist das dortige Werteverständnis? Wie sind Europäer in dem Lande anerkannt? Viele Fragen die von Land zu Land verschieden sind. Absicherung ist auch ein wichtiges Stichwort in diesem Zusammenhang. Wie komme ich im Notfall zurück? Wie ist die Gesundheitsversorgung in dem Land? Wo gibt es Abbruchsmöglichkeiten meiner Tour.

Da ich mich nur im europäischen Ausland aufhalte sind diese Punkte schnell zu beantworten. Die Gesundheitsversorgung ist gut bis sehr gut und über eine Auslandskrankenversicherung sind die Kosten gedeckt. Die Sicherheit in den Ländern ist auch gut bis sehr gut.

In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Outdoor steht gerade etwas über die einzelnen Risikofaktoren in verschiedenen Ländern. So haben die skandinavischen Länder den Faktor 1 und alle anderen europäischen Länder, mit wenigen Ausnahmen, den Faktor 2. Auf der HP der Zeitschrift kann man sich die Risikofaktorkarte auch anschauen (Den Link habe ich gerade nicht zur Hand.).

Stufe 3 ist ein nicht zu unterschätzender Punkt. Gerade auf längeren Touren ist Kontakt zu den Mitmenschen wichtig und man vermisst sehr schnell seine engsten Angehörigen und Freunde. Telefonate und E-mails können da Abhilfe schaffen.

Einer der Gründe, warum ich eine 1:1 Berichterstattung anstrebe, liegt auch darin begründet, dass ich so näher an meinen Freunden und Verwandten dran bin.

Die Stufen 4+5 spielen auf Touren eher nicht die große Rolle und können in der Planung eher vernachlässigt werden. Sie spielen eher für jeden selber eine große Rolle und entfalten sich meist erst dann, wenn man wieder daheim ist.

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