Die mental/psychische Vorbereitung

Die mental/psychische Ebene ist auf einer Tour immer die große Unbekannte. Dies hängt mit so vielen Faktoren zusammen die man nicht beeinflussen kann. Auf Touren allgemein ist es das Wetter, auf Solotouren kommt noch die Einsamkeit hinzu und auf Gruppentouren die Belastung durch die Gruppe (Gruppendynamik, Lagerkoller). Weitere Punkte sind ein zu geringes Selbstvertrauen (schaffe ich das?) und halt Gedanken die unterwegs erst aufkommen.

Auch ich bin in frühen Jahren sehr naiv an meine erste Touren gegangen. Im Laufe der Jahre  habe ich mir allerdings gewisse Strategien angewöhnt damit umzugehen. Leider ist es für uns kaum möglich sich mental und psychisch so gut und schnell einzustellen wie es körperlich geht. Die mentale Ebene ist eine sehr erfahrungsabhängige Ebene. Ich werde dies an 5 Punkten erläutern.

1. Das Wetter als Belastung

2. Einsamkeit

3. Gruppendynamik und Lagerkoller

4. Selbstvertrauen und Vorbereitung

5. Unterwegs

1. Das Wetter als Belastung

Ich weiß nicht wie es euch geht, ich stelle immer wieder fest, dass Menschen über das Wetter reden, sich sorgen darüber machen, es aber nicht aktiv erleben. Gerade in einer Stadt wie Hamburg, wo man dem Wetter immer ausweichen kann ist es stärker ausgeprägt als auf dem Land.

Wir haben uns durch technische Geräte eine Ebene geschaffen, in der wir ein gleichmäßiges Klima erzeugen können. Das Wetter spielt unterbewusst und auch im biologischen Sinne eine sehr wichtige Rolle. So redet man von Winterdepressionen und einige Vitamine benötigen zur Verarbeitung innerhalb des Körpers Sonnenlicht. Im Frühjahr kommen die „Frühlingsgefühle“ auf und im Sommer sind alle gut gelaunt. Der Schnee sollte sich doch bitte in den Großstädten auf die Zeit zwischen Advent und Neujahr beschränken um uns eine weiße Weihnacht zu bescheren.

Der Trekker an sich kann dem Wetter nicht ausweichen. Er hat die Entscheidung morgens zu sagen ich bleibe noch einen Tag länger hier an diesem Ort oder auch zwei, er kann früher als geplant eine Tagesetappe beenden um dem Sturm und Regen auszuweichen. Alle diese Möglichkeiten sind aber begrenzt. Gerade auf längeren Touren unterliegt man meist einem Zeitrahmen. Dieser ist vom Proviant, der mitgeführt wird und von der Urlaubszeit abhängig.

Wie kann man die Demotivation durch das Wetter minimieren? Meist ist man geblendet durch schöne Fotos oder Reportagen die man über das Gebiet, welches man bereist gesehen hat und ist dementsprechend enttäuscht wenn es die ganze Zeit schlechtes Wetter ist. Ich erkunde mich schon bei der Planung nach vorherrschenden Wetterlagen im jeweiligen Gebiet. Daraufhin plane ich meine Etappen und „Motivationshilfen“.

Ein Beispiel auf meiner Tour ist die norwegische Süd- und Westküste. Niederschläge und Wind sind garantiert, dazu kommen im März noch geringe Temperaturen. Dieser Mix, gerade auf einer Radtour (beim Radfahren macht mir das Wetter immer mehr aus als beim wandern) lässt die Motivation schnell sinken. In der Stadt Bergen gab es mal eine Periode von mehr als 80 Tagen Regen am Stück.

Bei meiner Planung berücksichtige ich dies, indem ich an jedem 5. Tag eine feste Unterkunft eingeplant habe. Zeitlich dazu versetzt plane ich auch an jedem 5. Tag ein warmes Essen im Imbiss oder Restaurant mit ein. Dies sind meine „großen Motivationspunkte“, gerade die Betten. Ich habe in den Tabellen zu den einzelnen Etappen immer alle Kirchen aufgeführt, die am Wegesrand liegen oder mit wenig Umweg erreichbar sind. In Skandinavien sind die meisten Kirchen offen und auf deren Gelände liegt meist ein Friedhof mit Toilettenhäuschen. So habe ich einen Überblick wann die nächste trockene Zuflucht ist.

Eine gute Ausrüstung um dem Wetter zu trotzen ist auch sehr wichtig. Ob man in diesem Zusammenhang auf High Tech Produkte oder extra Klamotten setzt muss jeder für sich herausfinden.

Wenn es dann so ist, dass man ständig Gegenwind und Regen hat nutzen auch die oben beschriebenen Planungen auf Dauer nicht viel. Dann muss die Stärke zum durchhalten in einem sein. Wobei ich glaube, dass wenn man sich im Leben zu Hause, dort wo man dem Wetter entfliehen kann, bewusst auf selbiges einlässt und es mal erlebt, dass man es dann auch anders und besser erträgt.

2. Einsamkeit

In einer Zeit, in der einem vorgegaukelt wird nicht einsam sein zu müssen und wo es auch genug Angebote gibt der Einsamkeit zu entfliehen ist es schwer für jeden einzelnen zu erkennen, dass dies meist nur oberflächlich der Fall ist. Heutzutage kann man sich fast alles besorgen. Es gibt Clubs für jedes Interesse, man findet immer gleichgesinnte, man kann sich Sex kaufen und selbst im Urlaub gibt es Menschen die ständig vor einem auftauchen und es schaffen, dass man nie zur Ruhe kommt.

Ich denke dies ist ein wichtiger Punkt. In der heutigen Zeit wird man von Fremdreizen so dermaßen erschlagen und zugedröhnt, dass wir es verlernt haben aktiv zu ruhen. Ich sehe das täglich an meinen Schülern. immer wieder gucken aus dem Kragen die Kabel des Ipod hinaus. Meist nur auf einer Seite, denn die andere benötigt man für das Handy. Gleichzeitig werden noch Gespräche geführt in denen es oftmals darum geht welche neuen Produkte man denn erwerben kann und was am Wochenende so „abgeht“. Auf Sendern wie Viva weiß man garnicht wo man als erstes hinschauen soll. Im Hintergrund läuft ein Musikvideo, unten werden SMS eingeblendet, die man dorthin schicken kann und oben links wird schon zur Abstimmung für das nächste Lied aufgerufen. Nach jedem zweiten Song wird Werbung für irgendwelche Klingeltöne gemacht und es gibt diverse Sendungen bei denen sich mir der Sinn nicht erschließt.

Zugegeben, vieles von dem, was die Jugend bewegt verstehen wir und ich nicht, so wie es zu unserer Jugend auch schon der Fall war. Was bleibt ist allerdings eine Gesellschaft, die uns und auch unseren Kindern ein gewisses Konsumverhalten vorgaukelt.

Diese lange Einleitung zu dem Thema habe ich bewusst gewählt. Einsamkeit und Ruhe sind zwei sich ergänzende Pole und keine die zwangsläufig zusammen führen. Da wir es nicht mehr gewohnt sind aktiv zu ruhen kommt es einen schnell so vor, dass man sich einsam bzw langweilig fühlt, wenn die äußeren Reize weggenommen werden.

Daher habe ich mir von frühester Jugend an diese Eigenschaft bewahrt und sie gelebt. Ich weiß wo meine Schwierigkeiten liegen. Jeder muss dies für sich ausloten und trainieren. Eins ist klar, es wird nicht klappen einfach mal so auf eine Solotour zu gehen. Gerade die Dauer der Tour ist stark abhängig davon.

Ich für meinen Teil benötige einen routinierten Tagesablauf. Ich brauche Punkte die am Abend sein müssen. Da wären z.B. Tagebuch schreiben, Spiele zu spielen (Bsp. Patiancen) und mir im Vorwege für jeden Tag eine Frage oder Anregung zu stellen, die es gilt zu durchdenken. Menschen die einem wichtig sind und nicht in der Nähe sind sollte man wenn möglich zwischendurch anrufen. Dies aber nicht täglich, so bleibt es etwas besonderes und steigert die Motivation. Offen auf andere Menschen zu gehen, die Kulturen erleben. Ich denke man hat viele Möglichkeiten in Kontakt zu treten und die Einsamkeit dadurch zu umgehen.

Noch ein kleiner Tipp, ich jogge z.B. niemals mit MP3 Player. Dies liegt nicht daran, dass ich einen solchen garnicht besitze, sondern auch wenn, dass ich die Ruhe mit Absicht suche.

3. Gruppendynamik und Lagerkoller

Wenn man in sich ein gewisses Maß an Frust verspürt, aus welchen Gründen auch immer, ist es nicht verwunderlich wenn man diesem Gefühl einen Ausdruck verleihen möchte. Leide ist es oft so, dass wenn man sich in einer Gruppe befindet sich dieser Frust gegen andere Gruppenmitglieder richtet. Besonders heikel in einer solchen Situation sind Gruppen von ungerade Anzahl her. Frustgefühle werden dann oftmals dadurch verstärkt, dass man sich ausgeschlossen fühlt bzw als 5. Rad am Wagen. Wenn es um Abstimmungen geht und genau eine Stimme über das Vorgehen entscheidet, da die anderen zu diesem Zeitpunkt unentschieden liegen, kann sich der Frust leicht gegen diese Person richten.

Bei kürzeren Touren stellt dies wahrlich nicht so ein großes Problem da, denn man kann den Ärger auch für kurze zeit runterschlucken. Auf längeren Touren sieht dies anders aus. Selbst wenn man sich gut kennt und weiß wie der andere fühlt kann es leicht zu Streiterein kommen.

Mit meinem besten Freund hatte ich diese Situation in Alaska. Wir waren auf einen mehrwöchigen Trip und es hat mehrere Tage durchgeregnet. In einem kleinen Salewa Sierra Leone Zelt gingen wir uns irgendwann gehörig auf die nerven und haben uns kurz angeschrien. Zum Glück kenne wir uns beide sehr gut und haben uns genau so schnell wieder vertragen. Seid also gut beraten eure Partner für längere Touren gut auszuwählen. Auch oder gerade wenn ihr vom Leistungsvermögen her sehr unterschiedlich sein solltet.

Eine zweite interessante Komponente in diesem Zusammenhang ist der Lagerkoller. Bei dem oben von mir beschriebenen Beispiel mit meinem Kumpel war wohl dieser Punkt derjenige der zu den Streiterein geführt hat.

Auf engstem Raume über einen längeren Zeitraum zusammen zu leben erfordert ein gewisses Maß an Masochismus. Dies Phänomen kann man allerdings auch schlecht trainieren. Wenn die Möglichkeit besteht, sollten mitunter getrennte Zimmer in einer Pension genommen werden oder man überlegt sich ein vorgehen, dass jeder für sich eine gewisse Zeit zur Verfügung hat. Diese beiden Beispiele geben nur Anregungen wie man gemeinsam die Situation meistert.

Die Gefühle werden aber dennoch auftreten. Eine vertraute Sache aus dem „normalen“ Umfeld kann diese lindern und man kann sich immer sagen bald ist es geschafft.

4. Selbstvertrauen und Vorbereitung

Oftmals kommen Gedanken auf die einen Zweifeln lassen. Diese Gedanken kommen meist automatisch und man fragt sich warum ist das so? Eine Antwort darauf habe ich leider nicht aber auch bei mir kommen diese Zweifel in regelmäßigen Abständen.

Man kann diese Gedanken vermindern indem man sich gut vorbereitet und viel trainiert. Erfahrungen sind sehr wichtig und man weiß wo jeder seine Schwächen hat. Geht Schritt für Schritt vor und holt euch Vertrauen über kleinere Touren. So lernt ihr zu was ihr bereit und fähig seit und lernt vor allem euch und eurem Körper zu vertrauen.

Leider liegt darin auch wieder ein neuer Punkt der Schwierigkeiten bereiten kann. Das richtige Maß an Vorbereitung. Leicht kommt man an einen Punkt an dem man sich fragt….habe ich mich genug vorbereitet?, habe ich alles geplant?……usw.

dies sind Fragen die sich mir oft stellen. Dies liegt auch daran, dass ich diese Tour sehr intensiv und genau plane. Umso genauer eine Planung ist, umso eher führt ein Fehler bzw. eine Komplikation zu Schwierigkeiten. Ich für meinen Teil weiß aber von meiner Fähigkeit der Improvisation. Alles kann man nicht planen und diese Lücken müssen gemeistert werden. Darum gilt bei jeder Planung dieser nicht blind und stupide zu folgen.

5. Unterwegs

Unterwegs kommen, dann meist aus einer Mischung der ersten 4 Punkte, Frustgefühle auf. auch diese kann man nicht gänzlich verhindern. Meist ist dieser Frust die Summer der kleineren Übel. Daher kann man nur versuchen die kleineren Übel klein zu halten.

Probiert im Vorwege mal einen Trip, auf dem ihr euch mit Absicht Frustsituationen aussetzt. Ich habe mal mit selbigen Freund, mit dem ich auch in Alaska war, eine Wintertour im Harz unternommen. Dies war zwar keine gewollte Frust Auseinandersetzung aber führte aufgrund von schlechter Vorbereitung und schlechter Ausrüstung zu dieser. Es war zu diesem Zeitpunkt sehr kalt und unsere Ausrüstung für diese Verhältnisse nicht geeignet. Wir kämpften uns durch drei frierende Nächte und haben dann die Tour abgebrochen.

Erfahrung hat mir dies allerdings sehr viel gebracht.

Bei allen nun beschriebenen Punkten habe ich vor allem Ursachen aufgeführt wie es zu solchen mentalen Belastungen kommen kann. Hilfsmittel zu nennen, wie man diese Belastung minimiert bzw mit ihr umgeht habe ich nur wenig geliefert. Dies liegt vor allem daran, dass es wirklich von Mensch zu Mensch verschieden ist. Ich wollte vielmehr Punkte nennen, die ich bisher beobachtet habe und bei denen ich mir oft Gedanken mache wie man diese minimieren kann.

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