Hej alle zusammen,
ich bin nun in Sälen angekommen oder viel mehr in Berga. Ich sitze im Informationszentrum zum Wasalauf und darf hier das Internet nutzen. Da sie nur bis 16h auf haben muss ich mich allerdings kurz halten.
Nachdem Vanessa wieder nach Hamburg zurück ist komme ich nun viel schneller voran. Das Wetter ist seit drei Tagen durchgehend gut und ich glaube es ist die längste Periode mit guten Wetter seit ich in Alta war. Ich werde heute noch 10km auf dem Vasaloppsleden gehen und hoffe in drei Tagen in Mora zu sein. Sollte ich dort nicht updaten können kann es bis zu 10 Tage von heute dauern.
Unten die letzten Berichte.
Hike Faster
@ Beat: Die ersten 2000km bin ich ja auch sehr ruhig gelaufen. Ich möchte aber auch gerne mal meine körperlichen Grenzen austesten. Ausserdem merke ich wie mir die kürzer werdenden Tage nicht gefallen. Ich möchte daher die Waldgebiete, die sich nun über 1000km erstrecken etwas schneller laufen. Ich starte halt morgens immer gegen 8h und laufe an die 10 Stunden. Da ich einen schnellen Schritt drauf habe, der mich selber nicht belastet, komme ich halt sehr weit.
@ Matze: Das mit der Messe finde ich super und ist wie gesagt eine sehr gute Motivation für mich. Da ich bei Thomas mitfahre und er dort ein kleines Appartement gemietet hat werde ich wohl nicht im Auto schlafen. Das Appartement ist für 4 Personen und wie es aussieht kommt auch Vanessa wieder mit. Dann wird es dort etwas eng werden aber da die Messe früh schließt können wir dort auf jeden Fall spielen. Wenn du mit fährst könnten wir dadurch in Thomas seinen Wagen etwas Platz gewinnen. Ich werde ihn auf jeden Fall mal anrufen und sagen, dass du auch zur Messe willst. Schließe du dich einfach mal mit Vanessa kurz.
29.8.
Heute war der letzte gemeinsame Wandertag mit Vanessa. Am Morgen hörten wir wieder einmal das altbekannte Geräusch vom Regen und ein Blick zeigte mir einen sehr dunklen Himmel. Da wir nur 12km nach Gördalen vor uns hatten warteten wir erst einmal ab. Als der Regen weniger wurde, starteten wir gegen 10.30h und spürten gleich die Kälte durch den Wind. Von der Hütte ging es erst einmal wieder bergauf ins Kahlfjäll. Oben angekommen waren wir dem Wind ausgesetzt und ich ärgerte mich meine Handschuhe tief im Rucksack zu haben. Die Hände waren nämlich eiskalt. Der Weg erforderte unsere volle Konzentration denn es galt mehrere Blockhalden zu queren. Das Tal, welches vor uns lag war unser Ziel und war schon sehr früh sichtbar. Aufgrund des Windes rasteten wir erstmals als es schon wieder hinunter ging. 20 Minuten nach der Rast kamen wir an einen Windschutz den wir uns etwas weiter oben gewünscht hätten. Die restliche Strecke nach Gördalen (sprich Jördalen) verlief dann sehr schön durch einen Wald.
An der Straße lag ein erneuter Windschutz und ich baute das Zelt auf. Wir zogen die nassen Sachen aus und machten uns danach auf den Weg zu einem Café. Wir hatten schon viele Einträge in den Hütten gelesen und mit anderen Wanderern geredet und alle meinten man könne dort gut und billig essen. Vor allem der Hamburger solle sehr gut sein. Im Café, welches einen gemütlichen Charakter verströmte, fragte ich erst einmal ob ich meine Akkus dort aufladen könne. Dies durfte ich und als alles Geräte angeschlossen waren bestellten wir unser Essen. Ich nahm den 200g Hamburger mit Pommes und Salat. Dieses Hamburgermenu kostete nur knapp unter 6€. Die Besitzerin des Cafés Gunilla war sehr nett und wir kamen ins Gespräch. Ich fragte sie warum sie so günstige Preise hat und sie meinte, sie beazahlte nur sehr wenig Miete für das Café und daher könne sie die Preise tief halten. Ich war darüber sehr erstaunt, denn in Deutschland würde fast niemand diese billigen Kosten weitergeben. Auch das Tagesmenu mit Nachschlag, Salat und Dessert kostet nur 8.50€.
Wir saßen bis um 19h im Café und gingen dann zu unseren Zelt. Morgen fahren wir mit dem einzigen Bus nach Särna. Dort werde ich meinen Proviant nachfüllen und Vanessa wird von dort aus Richtung Hamburg aufbrechen. Auf der einen Seite ist es schade, dass sie nun wegfährt, auf der anderen Seite kann ich dann aber wieder längere Strecken laufen.
30.8.
Särna
Die Nacht war heute bitterkalt (-5°) und die ganze Umgebung des Zeltes war mit Eis bedeckt. So froren wir uns warm und ich baute das Zelt ab. Wir waren froh als wir im Bus saßen. Es ist die Jahreszeit wo die Nächte, wenn sie denn klar sind, sehr kalt sind und die Tage sehr sonnig und warm. Ich mag diese trockene Kälte sehr gern.
Um 7.05h fuhr der Bus nach Särna. Dieser Bus ist zugleich der Schulbus und ein einziger kleiner Junge nimmt ihn in Anspruch. Der Busfahrer und der Junge waren schon ein eingespieltes Team. Da die Busse hier meist auch die Post abholen, übernahm der Junge diesen Job. Auf der Strecke, die Fahrt dauerte 1 Stunde, lagen 2 richtige Brieefkästen. Die Anwohner an der Straße können aber auch ein Zeichen an den Briefkasten machen wenn dort Post drinnen ist die mitgenommen werden soll. Ich lies meinen Blick oft über die Landschaft schweifen und vor allem die spiegelglatten Seen fand ich faszinierend. Als wir in Särna ankamen gingen wir zuerst zum Campingplatz und als die Rezeption um kurz vor 9h öffnete bezahlten wir für eine Nacht und 2 Duschmarken. Dies kostete für zwei Personen insgesamt 14€. Als das Zelt stand gingen wir zuerst in den Ort für den Tag einkaufen und schauten uns auf den Weg die alte Holzkirche aus dem 18. Jahrhundert an. Nachdem wir die örtliche Hauptstraße inspiziert hatten machten wir uns auf den Weg zum 3km entfernten Forst- und Verteidigungsmuseum. Der Besuch des selbigen war sehr interessant. Zuerst schauten wir uns einen Film über einen Forstarbeiter an der in der Region Dalarna sehr bekannt ist. Er gilt als einer der stärksten Männer Skandinaviens. Er war 2.14m groß und hatte wahre Pranken. Sein Ring (Durchmesser 33mm!!!) und seine Schuhe (Größe 55) kann man dort bewundern. Er lebte am Anfang des 20. Jahrhunderts und wurde nur 54 Jahre alt. Auf dem Aussengelände des Museums führte ein Rundweg an mehreren alten Gebäuden vorbei, die die Forstgeschichte der Region sehr eindrucksvoll erklärten. Ein weiterer Teil des Museums beschäftigte sich mit den Verteidigungsanlagen, die man vorsorglich im 2. Weltkrieg hier aufgebaut hatte. So gibt es z.B. Eine 1,8km lange Panzersperre zu sehen die stark an den Westwall erinnert. Auch mehrere Bunkeranlagen konnte man noch besichtigen. Schweden erklärte sich, wie auch Norwegen und Dänemark, zu Beginn des Krieges neutral. Im Vergleich zu Dänemark und Norwegen wurden sie aber nicht von den deutschen überfallen. Die Angst war trotzdem da und so baute man aus diesem Grunde einige Verteidigungsanlagen die niemals benötigt wurden.
Zurück in Särna kauften wir dann den Proviant ein, den Vanessa für die Heimreise und ich für den weiteren Weg benötigte. Auf dem Campingplatz genossen wir dann den letzten gemeinsamen Abend.
Mors lilla Olle
In dem Ort Särna und auch im Forstmuseum gab es einige Hintergründe über ein sehr bekanntes schwedisches Lied und die dazugehörige Sage zu lesen. Im Jahre 1851 hörte ein Journalist eine sehr interessante Geschichte aus der Region. Im kleinen Ort Morsbacken soll eine Mutter mit ihren Kindern gelebt haben. Als die Mutter unterwegs war, spielte ihr jüngster Sohn draussen. Er war 1,5 Jahre alt. Ein Korb mit Blaubeeren stand in der Nähe und nach einiger Zeit erschien ein Braunbär. Der Junge hatte keine Angst und begann den Bären mit den Blaubeeren zu füttern. Als die Mutter wieder kam erschrak sie und vertrieb durch ihr Geschrei den Bären. Der Junge begann daraufhin sehr stark zu weinen. Aufgrund dieser Geschichte entstand ein Lied darüber, welches in Schweden sehr populär ist. Hier habt ihr einen Link zu diesen Lied.
31.8.
Am letzten gemeinsamen Morgen standen wir früh auf und der Bus für Vanessa fuhr bereits um 8h. Ich brachte sie noch zum Bus und wir verabschiedeten uns. Mein eigener Bus fuhr leider erst um kurz nach 15h. Ich sprach den Busfahrer (der selbe wie gestern) aber schon am Morgen auf seiner Hinfahrt an und somit wusste er, dass ich am Nachmittag mitfahren wollte. Den Morgen über packte ich meine Sachen und gönnte mir die ersehnte Dusche. Gegen 11.30h machte ich mich auf den Weg und kaufte einige gestern vergessene Dinge ein. Als ich aus den Laden hinaus kam stand der Bus direkt gegenüber und ich fragte den Fahrer ob ich meine Sachen schon in den Bus stellen könne. Dies war kein Problem und ich fragte ihn, was er in der Zeit zwischen Hin und Rückfahrt so macht. Die meiste Zeit steht er einfach nur rum, da er keine weiteren Fahrten am Tag hat. Er muss ledeglich gegen 13h die Post abholen, die zu den Häusern auf der Strecke gebracht werden muss. Der Busfahrer fährt somit morgens knapp mehr als eine Stunde von Gördalen nach Särna, hat dann sozusagen frei und fährt um 15h wieder zurück. Auf meine Frage ob dies auf Dauer nicht langweilig sei nickte er nur und meinte die Wartezeit nerve schon. Nach dem Gespräch ging ich in die Bibliothek von Särna, die durch Zufall am Dienstag auf hat. Ich nutzte die Gelegenheit und habe meine Homepage geupdatet und einige Ausdrucke vorgenommen. Um 15h ging es dann zurück nach Gördalen. Ich war der einzige Fahrgast im Bus. Zu 98% fährt er alleine zurück. Der Fahrer musste unterwegs die Post und Zeitungen ausliefern und trotzdem kamen wir sehr schnell in Gördalen an. Ich packte meine letzten Dinge in den Rucksack und um 16.30h ging es dann los. Ich wollte noch 13km laufen und dies schaffte ich auch in knappen 2,5 Stunden.
Von Gördalen aus mussten zuerst 300 Höhenmeter aufgestiegen werden. Auf den Weg in die Höhe kam ich in das Gebiet des Fulafjället Naionalparks. Als das Kahlfjäll erreicht war ging es sehr eben weiter. Damit meine ich nur, dass keine Steigungen mehr genommen werden mussten. Auf dem Weg waren allerdings sehr viele kleine Blockhalden und sumpfige Passagen zu überwinden. Als ich an den Rörsjöhütten ankam traf ich 4 deutsche und einen Schweden. Diese schliefen alle in der Hütte und ich verzog mich in die kleine Rasthütte. Da es schon spät war, wollte ich mein Zelt nicht mehr aufbauen und in der Rasthütte hatte ich meine Ruhe und brauchte kein Geld zu zahlen. Ich aß erst sehr spät und machte am Abend nicht mehr viel. Morgen will ich mindestens 30km gehen.
[Galerie nicht gefunden]1.9.
Ich erwachte bereits um kurz vor 6h und ein Blick nach draußen zeigte mir, dass es ein wundervoller Tag werden würde. Der Himmel war strahlend blau und die Sonne erhob sich langsam über den Horizont. Ich packte meine Sachen und frühstückte etwas bevor ich mich um 7.40h auf die Strecke machte. Die ersten 22km war die Strecke ohne größere Höhenunterschiede zu wandern. Es ging zum Großteil durchs Kahlfjäll und man konnte sehr weit gucken. Gegen 13.00h erreichte ich die Tangostugan und machte eine längere Rast. Danach ging es wieder bergauf und in einen großen Bogen nochmals übers Fjäll. Dann ging es 400 Höhenmeter hinab. Als ich den Tango erneut kreuzen musste, endete die Brücke mitten im Wasser. Eine kleine Planke war die einzige Verbindung zum anderen Ufer und ich balancierte hinüber. Um 16.40h erreichte ich nach 34km mein Tagesziel.
Ich habe vor ein paar Tagen mal geschrieben, dass auf den Wintermarkierungen Zahlen angebracht sind die immer weniger werden. Das erstemal fiel mir dies im 2000er Bereich auf und mittlerweile bin ich bei unter 600 angekommen. Ich meinte mal zu Vanessa als Scherz, dass diese Zahlen bei 0 in Sälen enden werden. Heute las ich auf einigen dieser kleinen Schilder das Wort Kungsleden. Somit hatte ich recht mit der Annahme, dass die Zahlen bis Sälen immer weniger werden. Mal sehen wie gut ich morgen vorwärts komme. Mir geht es sehr gut und ich möchte wieder mindestens 30km machen.
2.9.
Auch heute kam ich wieder gegen 8h auf die Strecke. Der Tag begrüßte mich erneut mit Temperaturen unter dem Gefrierpunkt und es war abzusehen, dass es ein sehr schöner Tag werden sollte. Ich hatte mir für heute drei mögliche Endpunkte heraus gesucht und wollte sehen wie ich über den Tag komme.
Heute war die Strecke sehr wellig und ich musste viele Höhenmeter im Auf- und Abstieg überwinden. Die ersten drei Kilometer waren noch der einfachste Teil, denn es ging auf einen Forstweg relativ eben vorwärts. Zum Beginn des Tages ein sehr guter Einstieg. Danach ging es hinauf ins Kahlfjäll zur Lilldalsstugan. Diese Rasthütte gefiel mir sehr gut und ich ärgerte mich ein wenig, dass ich die 7km bis dorthin nicht gestern noch gelaufen bin. Nach weiteren 7km querte ich eine Straße und fand mehrere Zeichen für den Kungsleden. In diesem Zusammenhang möchte ich kurz darauf eingehen ob es den südlichen Kungsleden denn nun wirklich gibt oder ob es die Erfindung von Michael Hennemann, dem Autor des Conrad Stein Buches “Kungsleden” ist. Ich habe des öfteren in Foren und in Gesprächen so etwas gehört. Dies liegt vor allem daran, dass man im ersten Teil von Storlien nach Grövelsjön keinerlei Hinweise auf den Kungsleden findet. Nach Grövelsjön jedoch findet man sehr viele Hinweise. Zum Beispiel gab es schon im Jahre 1985 ein Faltblatt welches den Verlauf des südlichen Kungsleden zeigte. Somit kann ich sagen, dass es den südlichen Abschnitt wirklich gibt. Ob die Schweden ihn seinerzeit so nannten, da der Name Kungsleden ein Zugpferd ist könnte sein aber dafür kann man dem Autor keinen Vorwurf machen.
Kurz nach der Querung der Straße traf ich die erste Person des heutigen Tages. Es war eine junge Schwedin, die den Weg nach Gördalen ging. Ich finde es immer wieder schön wieviele Solotrekkerinnen es hier gibt. Wir tauschten kurz Informationen über den Weg aus und dann ging es weiter. An der nächsten Rasthütte traf ich dann auf eine sehr große Gruppe. Es handelte sich um eine Schulklasse von 20 Schülern (12 weiblich, 8 männlich) und 2 Lehrern. Die Schüler befinden sich im letzten Jahr des Gymnasiums und haben als Wahlfach Friluftsliv gewählt. Im Frühjahr haben sie bereits einen viertägigen Survivaltrip unternommen und nun sind sie für eine Woche auf Wander- und Angeltour. Geschlafen wird im Zelt und gekocht wird in kleinen Gruppen. Dies wäre ein Fach welches ich sehr gerne unterrichten würde.
Nach dieser Begegnung ging es mal wieder 300 Höhenmeter hinauf und ich gelangte wieder einmal ins Kahlfjäll und zur nächsten Rasthütte. Diese war mein minimales Ziel für heute. Da es noch früh war (15h) legte ich nur eine kurze Rast ein um dann weiter zu laufen. Das Terrain blieb wellig und sumpfig und ich ging noch bis 18.30h weiter und bezog nach 40km mein Quartier in einer Rasthütte. Morgen verlasse ich nun endgültig das Fjäll und komme nach Sälen. Dort werde ich meinen Proviant auffüllen, meine Akkus aufladen und wenn ich die Gelegenheit habe meine HP updaten. Da ich mich bereits knappe 15km vor Sälen befinde werde ich danach gleich auf dem Vasaloppsleden weiter gehen. Ab dort werden nur noch Höhen knapp über 500m erreicht und das Terrain wird hoffentlich nicht mehr ganz so sumpfig und steinig sein.
Keine Kommentare